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“Die Natur ist mein Lehrmeister.”

08.07.2019
Wir haben den Künstler und HerderCampus-Stipendiaten Martin Voigt zum Interview getroffen. In einem ausführlichen Interview spricht der in Leipzig lebende Maler über sich und seine Arbeit.

Martin Voigt kann man als traditionellen Maler bezeichnen. Seine detaillierten Bilder haben eine leicht romantische Anmutung, sind aber, wie die Zigarettenkippe neben einem Vogelnest zeigt, auch recht gegenwärtig. Insbesondere seine Landschaften, radiert im altmeisterlichen Stil, finden Anerkennung und Freunde. Das zeichnerische Talent Martin Voigts erinnert manchen an Werner Tübke; gleichwohl sind der spezifische Blick in die Landschaft und die mitunter raffiniert versteckten Details ein eigenständiges Merkmal eines ambitionierten jungen Künstlers. Voigt begann zunächst eine Steinmetz- und Bildhauerausbildung, bevor er an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst sein Studium absolvierte. Bis heute ist er Leipzig treu geblieben und bezeichnet die Stadt als seine Heimat. Als Stipendiat des Herdercampus kann er seine Talente im Atelierhaus Leutzsch voll entfalten und sich konzentriert auf die Schaffung hoffentlich großartiger Werke. 

 

Herr Voigt, wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich bin in Delitzsch groß geworden. Ich habe also nicht in jungen Jahren zu irgendeiner Art von Kunstszene finden können. Die Idee Maler zu werden lag mir damals fern. Von mehr als ein paar kindliche Fantasiewelten kann ich da nicht sprechen. Ich habe eine Steinmetzausbildung gemacht und anschließend in diesem Beruf gearbeitet. Danach folgte eine Weiterbildung zum Bildhauer und nochmals verstrich einige Zeit in diesem Beruf. Erst durch Leipzig hatte ich das Glück Menschen kennenzulernen, die Künstler, Bildhauer oder Restauratoren waren. Dadurch bekam ich Anschluss an die Kunst. Und daraus resultiert letztendlich auch die Bewerbung an der HGB hier in Leipzig. 

 

Was beeinflusst Sie selbst und Ihre künstlerische Arbeit?

Ich lasse mich von Vielem beeinflussen. In erster Linie inspiriert mich Natur. Die Natur ist mein Lehrmeister. Daneben beeinflussen mich natürlich andere Künstler, vorwiegend historische Maler aus der Renaissance, aus dem Barock, dem Realismus, vieles um die Zeit des 19. Jahrhundert. 

 

Sie drücken sich in einem besonderen Stil aus. In welchem Genre fühlen Sie sich zu Hause?

Wie ich schon sagte, inspirieren mich Landschaften und Objekte. Ich mag das jetzt nicht Stillleben nennen. Ich interessiere mich nicht für das klassische Stillleben als solches. Mir geht es meist um die Objekte selbst, die ich irgendwo finde. Meist in der Natur. Der eine mag das schnöde finden, ich sehe da etwas ganz Besonderes darin. Objekte als Kunstwerke der Natur - könnte man das nennen. Es gibt meiner Meinung nach keinen wirklichen Namen für diesen Stil. Meinen Stil sehe ich als angelehnt an die historischen Maler, die mich fesseln. Natürlich hat das seine Ursprünge in der Renaissance und im Barock. Ich strebe eben einfach die klassische Malerei an. Sie sehen, ich tue mich da schwer mit einer Einordnung. 


Gibt es spezielle Materialien mit denen Sie gern arbeiten oder mit denen Sie zur Zeit experimentieren? 

Ich arbeite fast ausschließlich mit Ölfarbe auf Leinwand, Kupfer oder Holz. Da ich mich den historischen Malern verbunden fühle, möchte ich auch mit entsprechenden Materialien und Techniken arbeiten. Anders kann man diese Ästhetik und Ausstrahlung nicht erreichen. Nur Ölfarben haben diese Leuchtkraft und diesen Schmelz. Ölfarbe ist eben Ölfarbe. 


Und was möchten Sie mit Ihren Arbeiten ausdrücken? 

Ich möchte gern etwas Zeitloses erschaffen. Sinnlich und schön sollen meine Bilder sein. Ich möchte Menschen langfristig erreichen. Modernes wird man in meinen Bilder nicht finden. Aber zeitlos - das sollen sie sein. Häufig setze ich vergängliche Objekte in Szene. Ich möchte die Schönheit dieser Objekte herausstellen. Selbst wenn es sich dabei um tote Objekte handelt. Vielleicht kann ich ja so einen Beitrag dazu leisten, das eben jene Objekte erhalten bleiben. Manchmal male ich diese Objekt auch leicht vergrößert. Vielleicht möchte ich sogar etwas Religiöses, relikthaftes erreichen. Eine Bühne sollen sie bekommen. Aber ich stehe noch ganz am Anfang meines künstlerischen Schaffens. 


Und welche zeitgenössische Maler oder Künstler hat bei Ihnen einen einprägsamen Eindruck hinterlassen?

Da gibt es viele. Insbesondere die, die angelehnt an die alten Meister malen. Nennen kann ich hier aber vor allem den norwegischen Maler Ott Nerdrum, bei dem ich hospitieren durfte. Sein Malstil orientiert sich an Rembrandt, Tizian oder Caravaggio. 


Sie leben in Leipzig? Was bietet Ihnen die Stadt als Mensch Martin Voigt?

Eigentlich verbringe ich den ganzen Tag hier im Atelier. Das ist nicht schlimm, denn ich mach das ja gern und quäle mich nicht damit. Ich finde hier im Atelierhaus Leutzsch, umringt von über 30 Malern eine perfekte Arbeitsumgebung. Ob ich jetzt Leipzig in diesem Kontext herausstellen möchte? Ich glaube nicht. Ich bin hier, weil Leipzig ein Stück Heimat ist. Ich komme ja aus der Region. Wenn mich aber ein kleines Schloss in Schweden ruft, dann werde ich mich damit arrangieren. 

 

Vielen Dank, Martin Voigt!

 

 

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